Dienstag, 14. April 2015

Jordanien nach Israel - um 20 Jahre verjüngt

Ich bin von Natur aus bequem. Aus diesem Grund habe ich nicht den Bus von Amman zum Grenzübergang zwischen Jordanien und Israel genutzt, sondern einen Fahrer geordert.
Auf der jordanischen Seite heißt er »King’s Bridge« oder einfach nur »Bridge«. Wenn ich am Sonntag nach Jordanien zurückkehre, werde ich über die »Allenby Bridge« einreisen.
Im Fahrpreis von 35 JD (jordanischer Dinar) - ca. 46 Euro - für die knapp 45 minütige Fahrt waren ein angenehmes Gespräch mit Aburami und ein arabischer Kaffee, den er an einem Rastplatz gekauft hat und den ich vor lauter Kardamom kaum trinken konnte, inbegriffen. Aber ich habe immer schön gelächelt, wenn er mich gefragt hat, ob er schmeckt.



Die Grenzanlagen auf jordanischer und israelischer Seite haben mich an die Grenze zur DDR erinnert und mich schlagartig um 22 Jahre jünger gemacht. Und wenn ich bedenke, dass ich zur gleichen Zeit wie meine Mitreisenden der Jordanien-Rundreise das Hotel in Amman verlassen habe und etwa eine Stunde vor ihnen (sie in Frankfurt) in Jerusalem angekommen bin - ca. 73 km Distanz -, dann schätze ich das grenzfreie Europa noch mehr, wie ich es bereits zuvor getan habe..

Aburami setzte mich vor dem Eingang zur Grenzanlage ab. Es ist ihm verboten, selbst mit einem registrierten Fahrzeug, hineinzufahren. Es gibt zwei Durchgänge: einen für Ausländer und Israelis und einen für Palästinenser.
Vor der Passkontrolle wird das Gepäck durchleuchtet. Mir leuchtet es allerdings nicht ein, dass nur der Koffer durch das Band laufen muss und Rucksäcke und Taschen - das Handgepäck - nicht. Warum und weshalb fragte ich mich dann auch bei der Einreise in Israel. Auch deshalb, weil die dortigen Grenzer mit Hunden und Spiegeln Busse und LKW kontrolliert haben. Logik liegt wohl im Auge des Betrachters.
Die Ausreise kostete mir 50 JD:  Visum, das Gruppenvisum der Rundreise war abgelaufen, da ich mich von der Gruppe »separiert« habe und eine Gebühr.
Die Abfertigung fordert Geduld. Ein Beamter lässt einen Namen und Passnummer aufschreiben. Ein anderer nimmt ihn entgegen und sieht sich ihn an. Ein weiterer stempelt und dann gibt es noch einen, der ihn wieder zurückgibt. Witzig war, dass dieser Beamte die Namen der betreffenden Personen gerufen hat. Z.B. »Tschuuuuuliaaaa«
Die King’s Bridge darf von Jordanien nur von israelischen Autos und Taxis, LKW oder von lizenzierten Bussen befahren werden. Ich entschied mich für den Bus, 8,50 JD.Es wird gewartet, bis der Bus voll ist. Auch die Taxi-Busse, die auf der israelischen Seite, fahren erst ab, sobald der letzte Platz besetzt ist.



In der Vergangenheit war ja viel über Abhörungen und Ausspähungen von Geheimdiensten in den Medien zu lesen und zu hören. Aufgrund meiner Position, »Bekanntschaften« und Facebook-Likes ging ich daher mit gemischten Gefühlen zu dem ersten israelischen Kontrollpunkt, an dem der Reisepass vorzuzeigen ist. Nachdem ein freundlicher Israeli mir eine schöne Zeit gewünscht hat, folgte die Gepäckkontrolle. Wie gesagt, lediglich der Koffer, den ich am Ende des Prozederes zurückbekommen habe. Das mulmige Gefühl blieb.
Insgesamt wird der Pass dreimal kontrolliert. Einmal kombiniert mit einem Körperscan und einmal mit der sorgfältigen persönlichen Befragung. Die Bedenken, die das mulmige Gefühl bereites im Vorfeld ausgelöst hatten, hatten die fünf Soldaten unterstrichen, die aufgetreten sind, als ich vor das Häuschen trat, indem mich eine Beamtin erwartete. Sie blieben auch die ganze Zeit über in meiner Nähe, während der ich unter ihren strengen Augen Fragen nach meiner Herkunft, dem Grund meines Aufenthaltes, ob ich Freunde oder Bekannte in Israel habe, wo ich wohne, ob ich bereits Nachbarländer bereist habe, warum ich von Jordanien einreise etc. beantwortete. Insgesamt 20 Minuten.
Ich kann nicht beschreiben wie erleichtert ich war, als ich meinen Pass und die Border-Control-Card von ihr erhalten habe.



Ein Flug von Amman nach Tel Aviv wäre nicht viel teurer gewesen. Insgesamt hätte Flug und Fahrt nach Jerusalem auch nicht viel mehr Zeit in Anspruch genommen. Aber das Erlebnis »Bridge« war die Zeit wert gewesen.

Kommentare:

  1. Oh Julia, ich bin grade schwer beeindruckt... und soooo froh das Du alles gut überstanden hast... auch den Kardamonkaffee ;)
    Bin gespannt wie es weiter geht! Hab eine gute Zeit!

    AntwortenLöschen
  2. Es liest sich alles so spannden und abenteuerlich! Danke dass ich an Deiner Reise teilhaben darf!

    AntwortenLöschen